04.12.2011, 07:00 - ca. 17:15 Uhr

Koblenz

Größte Evakuierung nach dem 2 Weltkrieg!

Obwohl der 2 Weltkrieg lange vorbei ist, lassen seine Hinterlassenschaften in Form von Bomben und Munition auch denen keine Ruhe die den Krieg selbst nicht erlebt haben.

Durch das Niedrigwasser des Rheines kamen im Verlauf des Flusses, mehrfach gefährliche Hinterlassenschaften zum Vorschein.



In Koblenz, Stadtteil Pfaffendorf, wurde im Flussbett des Rheins eine der stärksten Waffen des 2 Weltkrieges, eine sogenannte "LUFTMINE" mit einem Zerstörungsradius von fast 2 Km, gefunden. Im Nachgang der Inhalt der Abschlusspressekonferenz, der Ihnen den Umfang der Gefährdung und der damit verbunden Evakuierung in Schrift und Zahlen näherbringt:


Abschlusspressekonferenz  (Koblenz, 05.12.2011 - 13.00 Uhr)

"Mein erster Dank geht an die Koblenzer Bevölkerung, die der Aufforderung zur Evakuierung zügig Folge geleistet hat" stellte Oberbürgermeister Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig an den Anfang seiner Ausführungen der abschließenden Pressekonferenz. War es doch der Disziplin der Einwohnerinnen und Einwohner zu verdanken, dass die beteiligten Behörden dem Kampfmittelräumdienst (KMRD) etwa zwei Stunden früher als geplant grünes Licht für ihre Arbeit geben konnten.

Rund 2.500 Menschen, davon 1.900 ehrenamtlich, waren im Einsatz, die Evakuierung im Umkreis von 1,8 km durchzuführen. So hatte der Sanitätsdienst 650 Fahrten vorgenommen, um die Altenheime und pflegebedürftige Personen aus ihren Wohnungen zu transportieren.

Polizei und Ordnungsamt meldeten wenige Vorkommnisse. So musste der Schlüsseldienst nur vier Mal ausrücken, um Wohnungstüren zu öffnen. Hinter einer Tür verbarg sich eine demente Person, sonst waren es Fehlalarme, die etwa durch Zeitschaltuhren ausgelöst worden sind.

In den Betreuungsstellen fanden sich bis zu 522 Personen ein. Hier standen neben rund 400 Helfern auch 30 Notfallseelsorger bereit. Die Betreuungsstellen mussten in dieser Größe angelegt werden, um bei Verzögerungen oder im Schadensfall genügend Kapazität vorzuhalten.

Das Bürgertelefon wurde rund 3.000 Mal angerufen, wobei die Frage, ob man von der Evakuierung betroffen sei im Vordergrund stand. Auch das Internet ist eine wichtige Informationsquelle, so verzeichnete das Internetangebot der Feuerwehr 199.000 Seitenabrufe. Das Pressezentrum Luftmine, das in der BUGA-Geschäftsstelle Unterschlupf fand, hat weit über 1.000 Anfragen bearbeitet.

Das gute Zusammenspiel aller Organisationen mit ihrem komplexen Hilfsdienstleistungssystem hat sich bewährt. OB Hofmann-Göttig dankte den beteiligten Behörden und Organisationen für die gute Arbeit zum Wohle der Stadt. Ohne die Unterstützung durch Ehrenamtliche wäre eine derartige Evakuierungsaktion nicht möglich.

Die Hilfe kostet Geld, über die genaue Höhe liegen derzeit noch keine abschließenden Zahlen vor. Eine erste Kostenschätzung sieht wie folgt aus:

1. Absehbare Kosten
  • Verpflegung Einsatzkräfte = 25.000,-- €
  • Materialkosten Maßnahme (Ausnahme Wasserbau) = 10.000,-- €
  • Kosten Einsatzfahrzeuge einschl. Sanitätsdienst (Treibstoff + Km-Pauschalen Hilfsorganisationen) = 100.000,-- €
  • Kosten für Inanspruchnahme Bundeswehr und THW = 10.000,-- €
  • Personalkosten für vom Arbeitgeber freigestelltes Personal (DRK + freiwillige Feuerwehr) = 50.000,-- €
  • Gesamtkosten = 195.000,-- €

2. Darüber hinaus ist nicht abschätzbar, ob und in welcher Höhe Kosten von den Krankenhäusern und Krankenkassen für die Verlegung der Patienten in andere Kliniken geltend gemacht werden.

3. Die Kosten für die wasserbauenden Maßnahmen zur Trockenlegung der Luftmine gehen nach dem Wasserstraßengesetz zu Lasten der Bundesrepublik Deutschland. Die entsprechenden Aufträge wurden auch direkt von der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung erteilt.

4. Die Stadt Koblenz wird für die entstandenen Evakuierungskosten erst einmal in Vorlage treten und dann im Nachgang mit dem Bund und dem Land Rheinland-Pfalz über eine angemessene Kostenbeteiligung sprechen.


Entschärfung geglückt

(Koblenz, 04.12.2011 - 17.15 Uhr) Nach langen Vorbereitungen, großem logistischem Aufwand und einer der deutschlandweit größten Evakuierungsmaßnahmen seit dem Zweiten Weltkrieg wurden heute durch den Kampfmittelräumdienst Rheinland-Pfalz die mittlerweile im internationalen Interesse stehende 1,8-Tonnen-Luftmine im Rhein vor Koblenz-Pfaffendorf, sowie eine 125-Kilo-Fliegerbombe entschärft. Zudem wurde im dortigen Bereich noch ein Tarnnebelfass gesprengt.

Im Vorfeld hatten wegen der Entschärfungsmaßnahme rund 45.000 Koblenzer ihre Häuser und Wohnungen verlassen müssen. 7 Altenheime, 2 Krankenhäuser und die Justivollzugsanstalt Koblenz waren zudem evakuiert worden. 2.500 Einsatzkräfte von Feuerwehr, DRK, Malteser Hilfsdienst, Johanniter Unfallhilfe, Technischem Hilfswerk, Landespolizei, Bundespolizei, Wasserschutzpolizei, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, Bundeswehr, Ordnungsamt und vielen anderen Behörden und Institutionen waren in diesen Großeinsatz eingebunden.

„Ein großes Lob geht an die von der Evakuierung betroffene Bevölkerung“, sagt der Koblenzer Oberbürgermeister Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig, „durch deren kooperatives Verhalten konnte der betroffene Bereich frühzeitig als evakuiert gemeldet werden. Daher konnte die Entschärfungsmaßnahme vor dem Plan beginnen und rasch zum Abschluss gebracht werden.“

„Insgesamt ist die sehr gute Zusammenarbeit der beteiligten Behörden und Institutionen in den Bereichen der Einsatzleitung, Medienarbeit und der eigentlichen Durchführung des Einsatzes hervorzuheben“, so der Oberbürgermeister weiter, „ihnen gilt ein großes Dankeschön und höchste Anerkennung. Hier griffen alle Räder bestens ineinander. Ein besonderer Dank geht an den Kampfmittelräumdienst um seinen Technischen Leiter Horst Lenz für die hervorragende Arbeit zu unser aller Sicherheit.“

Keine nennenswerten Vorkommnisse meldete die Polizei im Bereich der Umsetzung des für die Evakuierung erforderlichen Verkehrskonzeptes mit großräumigen Straßensperrungen. Auch im Raumschutz gab es für die Polizei keine Probleme zu vermelden, so dass die betroffenen Koblenzer wieder sicher in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren konnten.

Die Rettungsdienste begannen unmittelbar nach Aufhebung der Evakuierung mit dem Rücktransport der über 650 evakuierten Krankenhauspatienten, Altenheimbewohner und Pflegebedürftigen aus Privathaushalten. Diese waren im Zuge der Evakuierung mit 235 Rettungs- und Krankentransportfahrzeugen in benachbarte Einrichtungen verlegt worden.

Die entschärfte Luftmine wird nun per Schiff in ein Zwischenlager des Kampfmittelräumdienstes gebracht.

Quelle: www.koblenz.de


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